Dienstag, 26. Dezember 2006
Schattenspringer
Zwischenmenschliche Kommunikation läuft manchmal wie stille Post ab. Man hat einer Person etwas zu sagen, kann es aber nicht direkt sagen, also werden Boten und Zwischenstationen eingesetzt. Der Handel mit den Informationen treibt das Gesagte irgendwann zum korrekten Empfänger. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht zu viele falsch wiedergegeben haben.

Und weil ich Bier genossen hatte, Weihnachten ist und man sowieso in den Medien mit Aufeinanderzugehparolen gefoltert wird, habe ich den Widerstandswillen abgelegt und bin über meinen eigenen Schatten gesprungen.

So stand ich also am Ende des Abends mit Bierlaune neben dem Empfänger und stellte Dinge klar, die falsch weitergegeben oder verstanden wurden. Sprach mit einem Menschen, mit dem ich seit eineinhalb Jahren kein Wort mehr gewechselt und der einst meinen Hass auf sein Haupt gesammelt hatte.
Stand, trank und redete.

Mehr als Rentnerthematik war es zwar, aber den Fehler große Worte im unnüchternen Zustand zu wechseln, haben wir umgangen. Vielleicht wird es wie bei der Große Koalition ein Prozess der kleinen Schritte. Das Vergangene wiederholen wird so oder so nicht funktionieren.
Dass keine Giftpfeile und verachtende Blicke gewechselt werden ist jedenfalls schon ein ordentlicher Fortschritt.
Herr Nyxon hat mal wieder mit gutem Willen Vorbildfunktion bewiesen.

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Sonntag, 24. Dezember 2006
Alle Jahre wieder...
In unveränderter Form und wenn verändert, dann nur im Detail. Der Heilige Abend im Kreise der Familie. Eine standardisierte Abfolge von Ereignissen.

Erst wird der Matriarch abgeholt und in das heimische Esszimmer gesetzt. Dort bleibt sie nicht sitzen, sondern kümmert sich - ganz Matriarch - um alles, was ihrer Meinung nicht so läuft, wie es laufen müsste. Im Sinne der old school werden die Steaks dünner geschnitten und der Mutter ins Handwerk gepfuscht.
Dann wird gegessen. Erst Suppe, dann der Hauptgang, dann ein alle paar Jahre wechselnder Nachtisch. Zwischendurch spricht der Matriarch zu uns. Themen wie Politik, Geld und Integration werden gemieden. Der Weihnachtsbaum wird gelobt, auch die Suppe und wenn es ein gutes Jahr war, auch die Familie.

Der Ältere lässt sich eine Diskussion aufzwängen, während man selbst bei der Mutter in der Küche hilft, um nicht Teil der Diskussion zu werden.
Wenn das Essen gemundet hat, der Baum noch einmal gelobt wurde, ist Bescherung. In der Küche werden die liebevoll eingepackten Geschenke zugeteilt, ausgetauscht und ausgepackt. Es gibt jeweils einen Umschlag vom Matriarch, sie hat die Namen verwechselt, "aber ist ja eh in beiden das Gleiche drin", macht also nichts.

Sherry wird eingegossen, im Vergangenen geschwelgt. Der Geist des Patriarchen schwebt über uns, er regt sich wieder auf, dass alles nach dem Willen des Matriarchen laufen muss. Aber er hat seine Chance vertan.
Themen werden umgangen, es wird des Friedens willen, geschwiegen. Der Sherry wärmt von innen. Die Familie geht wieder einzeln ihrer Wege. Der Matriarch wird nach Hause gefahren, um das Essen für den ersten Weihnachtstag vorzubereiten.

Dort wird in ihrer Kulisse der Abend noch einmal wiederholt. Andere Umgebung, anderes Essen, gleicher Tanz. Zum Nachtisch gibt es Eis und Sahne, die wegen der Eissorte überflüssig ist. Aber Sahne ist gut, also wird sie aufgetischt. Es wird Kaffee getrunken und dann nach Hause gefahren.

Alles Jahre wieder...

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und euch allen ein frohes Weihnachtsfest!!! Mögen alle Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung gehen und alle überleben.

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Samstag, 23. Dezember 2006
Helge
Ich erwarte die ganze Zeit, dass er anfängt zu singen. "Katzschenklo, Katzschenklo, ja, das macht die Katzsche froh..." Aber er bleibt stumm, zieht nur die Augenbrauen hoch und murmelt die Vertragsdetails in den Schnurbart, gerade so, dass man ihm noch folgen kann.

Aber ich kann nicht anders. Der Kaufer des Geländewagens sieht nun einmal für mich aus wie Helge Schneider. Vielleicht ein wenig drogenunabhängiger. Und er hat auch die helgetypische Nasalstimme. Singen käme bestimmt jetzt lustig, aber er bleibt konzentriert und schiebt den Kaufvertrag unterschriftsreif über den Schreibtisch.

Soweit so gut. Hatte der Tag doch alles andere als gut angefangen. Wecker: nicht gehört, wenn er überhaupt ging. Aufgewacht: erst um die Uhrzeit, als ich den Wagen hätte übergeben sollen. Nachgetankt: viel zu viel. Navigationsgerät: kein Signal, die ganze Fahrt über nicht. Also der Wegbeschreibung des Käufers gefolgt. Umweg. Aber immerhin angekommen.

Unterschrift geleistet, Geld bekommen, keine Gesangseinlage, von keinem Beteiligten. Muss an der Farbe liegen. "Die Farbe geht ja gar nicht, aber wenn er sonst in Ordnung ist."
Ist er, Helge! Also tu mal lieber die Möhrchen und alles ist gut!
"Fröhliche Weihnachten!"
Mir ist als hätte ich diesen Satz schon einmal gehört. In einem Lied auf EinsLive. Muss an der Farbe liegen.

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