Dienstag, 25. Dezember 2007
Weihnachts-GDS
Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Manche sind gut dabei, vorgeschriebene Überweisungsträger für irgendwelche Organisationen einzuwerfen, andere sind milde gestimmt und entbehren einen Euro für den einbeinigen Straßenmusiker.
Eine Dortmunder Organisation, die sich wirklich Gedanken über Hilfe macht und dabei den Hilfsbedürftigen soviel Eigenverantwortung und Freiraum lässt, dass sie sich nicht wie Bedürftige fühlen müssen, ist Bodo e.V.

Als Schreibübung durfte ich eine Reportage über Bodo und seine Geschichte verfassen.

Konsequente Hoffnung zu verkaufen (pdf, 1,167 KB)

Das fertige Stück darf gerne kommentiert werden, es reicht aber aus, wenn einige mehr Kenntnis von diesem Verein nehmen.

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Weihnachtsarbeit aktiviert
Das habe ich jetzt davon, dass ich Student sein muss. Und dass ich mir nicht Kind und Kegel habe andrehen lassen, als die Chance vorhanden war. Heute Abend kumulieren sich meine "Fehler" der Vergangenheit in einer Vierstundenschicht. Statt mir von meiner Tante mit vollem Mund die Welt erklären zu lassen und darauf zu hoffen, dass mein Bruder nicht die Nerven dabei verliert, sitze ich mit Headset im Anschlag an meiner Banane und warte auf den nächsten Call.
Timo Beil ist fleißig, selbst an Heiligen Abenden und sonstigen Feiertagen. 24 Stunden lang gibt es etwas zu helfen, zu erklären, zu rechtfertigen. Damit das jemand macht, sitze ich hier neben einigen anderen Kollegen. Ob viele sich woanders hinwünschen, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Die Stimmung ist wie an einem Wochenende - entspannter und wortwitziger als an anderen Tagen, wir nehmen unser Schicksal tapfer und mit einer Prise Ironie hin. Im Hintergrund läuft mal mehr mal weniger laute Musik und in der Kantine steht ein kleines Buffet, um Festlichkeit zu simulieren.

Bei einigen Calls kann man sich selbst bemitleiden. Die meisten wollen ihre Prepaid-Karte aktivieren lassen. Einen Vorgang, den wir über die Feiertage aufs Auge gedrückt bekommen haben und ab dem neuen Jahr regulär übernehmen. Hab ich noch nicht drauf, stelle ich fest. Übung macht den Meister.
Manche wissen nicht, wo bei dem Handy, das sie unter dem Weihnachtsbaum gefunden haben, oben und unten ist. Manche wissen nicht mehr, wer sie selbst sind, so weit haben sie bereits den Alkoholpegel in die Höhe getrieben. Und andere wollen einfach nur ein wenig reden mit jemanden, der angeblich Zeit dazu hat. Vier Minuten haben wir im Schnitt für einen Call - nicht bei jedem kann man die Seelsorge nach diesen 240 Sekunden gewissenhaft beenden.

In meiner ersten Pause tippe ich die Nummer meiner Familie in die Telefonanlage. Zuhause ist alles wie an jedem anderen Weihnachtsfest auch - ich rufe per Lautsprecher meine Glückwünsche in den Raum und verabschiede mich bis morgen. Mein Zeitfenster für den Heimatbesuch morgen sind sieben Stunden.
Nach der zweiten Pause werden die Weihnachtslieder aus der Tasche gezaubert. In der Kantine wird zum Buffet seichte Musik von WDR4 gespielt, auf der Ebene selbst ein Medley aus JBO, Kelly Familie und Timbaland.

Teamleiter der Nacht: "Macht euch keinen Stress. Wir machen heute genauso Weihnachten wie die Kunden auch. Nur anders." Dann bekommen wir ein kleines Präsent. Einer meiner letzten Calls braucht keine Hilfe im eigentlichen Sinne, sondern wünscht mir frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr und legt dann einfach auf. Der Rest des Abends ist schriftliche Bearbeitung in Form von so genannten Tickets.

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