Mittwoch, 9. April 2008
Die Welle
Während der Projektwoche, die sich mit Staatsformen auseinandersetzt, startet Gymnasiallehrer Wenger ein gewagtes Experiment: Durch die Meinung eines Schülers, heutzutage sei die Gesellschaft für diktatorische Systeme zu aufgeklärt, inspiriert, ruft er "Die Welle" ins Leben. Die Schüler seiner Projektklasse sollen durch Disziplin und Gemeinschaft lernen, wie stark und schnell eine autokratische Bewegung heranwachsen kann. Nach und nach wird "Die Welle" zu einem Selbstläufer, der immer mehr Schüler auch außerhalb des Projektes verfallen. Die Starken der Gemeinschaft erheben sich über die Schwachen, die sich dem Experiment verweigern und Wenger verliert die Kontrolle über sein eigenes Führersystem.

In einer Zeit, die sich durch Ängste und soziale Unsicherheit charakterisiert, scheint der Gedanke, dass eine klar definierte Gemeinschaft unter korrekter Führung zu einer wahren Bewegung erstarken kann, nicht einmal allzu abwegig. Ein Wir-Gefühl wird anfangs sicherlich kein Unbehagen auslösen, sondern wahrscheinlich von den meisten als warme Umarmung begrüßt. Ist so eine Gemeinschaftsstruktur erst einmal herangewachsen, von den Tragenden akzeptiert und mit klarer Linie geführt, sind selbsterhalterische Züge nicht mehr fern. Ein Symbol verdeutlicht den Schritt zu einem großen Ganzen, auf das man stolz sein kann. Führerkult? Ausgrenzung Andersdenkender? Infolgedessen Kontrollverlust? Alles denkbare Konsequenzen einer solchen Bewegung, wenn Sie mich fragen. Die Erfahrungen des Dritten Reiches, sagen wir immerfort, wird verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt. "Die Welle" zeigt, dass Geschichte im Kleinen beginnt und wachsen kann.

Die Adaption des Romans von Morton Rhue aus dem Jahre 1981 wurde mit Jochen Vogel in der Hauptrolle in die Jetztzeit verlegt. Schauplatz ist nunmehr ein deutsches Gymnasium - pikanter noch als im Original, da hier das Thema Nationalsozialismus größere Wellen schlägt. Regisseur Dennis Gansel zeigt in scharf geführten Bildern und in Szenen, in denen "Die Welle" Formen annimmt, mit kühler Ästhetik, wie sich das Experiment verselbstständigt und diktatorische Züge annimmt. Vogel in der Rolle des Lehrer Wenger ist wie so oft ein Glücksgriff, denn kaum einer versteht es mehr den rebellischen Außenseiter zu mimen als er. Besser hätte mir wohl nur noch der verstorbene Ulrich Mühe zugesagt, denn ihm hätte ich die Führerfigur noch intensiver zugetraut. Die junge Garde um Vogel herum macht ihre Sache gut. Keiner spielt den anderen an die Wand, aber leider glänzt auch keiner wirklich. Es sind unter anderem die ruhigen Momente im Film, die ihn stark machen und dem Thema Gemeinschaftsstolz, das immer schwer an der Grenze zur Übertreibung zu halten ist, Ausdruck verleiht.

Bildquelle: Constantin Film

Permalink (2 Kommentare)   Kommentieren

 


Renovierungstagebuch: Küche
Die ist schon seit einer Woche fertig.

Permalink (2 Kommentare)   Kommentieren

 


Dienstag, 8. April 2008
Regionalblues
Heute habe ich mich verliebt. Es war im Regionalexpress, Hamm nach Aachen über Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg, Düsseldorf, 9.45 Uhr von Gleis 16, mit fünf Minuten Verspätung. Nachdem ich mich durch eine schwarzafrikanische Combo mit etlichem Musikgerät gekämpft hatte - der Kleinste von ihnen, wohlmöglich 10 oder 11 an Jahren, das kann ich immer nur schwer einschätzen, mit einer riesigen Pornosonnenbrille auf der Nase, wie sie letztes und vorletztes Jahr "in" waren -, fand ich einen Platz - und sie neben mir.
Zarte Eleganz mit dunklem Teint. Erdige Farben an Kleidung. Sie sah aus wie Sommer und durftete nach Frühling. Die Augen, dunkel, vielleicht mandelfarben, mit flüchtigen unaufdringlichen Blicken ist auch das nicht mit Gewissheit zu verbürgen, funkelten selbstbewusst. Sie las eine Tageszeitung und als sie den Artikel über den Olympischen Fackellauf und China und die Demonstranten aufgeschlagen hatte, murmelte sie ein überzeugtes "Arschlöcher". Ist sie genauso klug wie hübsch meinte sie damit die Chinesen und nicht die Demonstranten.
Sie stieg in Bochum aus. Zehn Minuten Frühling im Regionalexpress von Hamm nach Aachen über Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg, Düsseldorf, 9.45 Uhr von Gleis 16, mit fünf Minuten Verspätung.

Permalink (2 Kommentare)   Kommentieren

 


Sonntag, 6. April 2008
Evolution
Hätte ich gewusst, was aus einigen der Mädchen wird, mit denen ich zusammen in der Grundschule war, hätte ich mich früher für Mädchen interessiert.

Permalink (1 Kommentar)   Kommentieren

 


Putzteufel
Wenn ich einmal den Schweinehund bei den Ohren gepackt und angefangen habe, bin ich bis auf ein paar kurze Durchschnaufpausen nicht mehr zu bremsen, fällt mir auf.

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren